„Mythos Mailax“ Seit ich das erste mal mit einer Fliegenrute auf Salmoniden gefischt habe, hörte ich einige Geschichten um diesen Fluss mit Laxen von sagenhaftem Durchnittsgewicht. Irgendwann wollte ich auch einmal einen Lachs aus diesem wunderschönen Fluss fangen. Vor sechs Jahren erhielt ich meine erste Chance, zusammen mit Mawill fuhr ich damals zum ersten Mal an die Mörrum. Zu dieser Zeit war es nicht so einfach an die begehrten Karten für die Mailachszeit zu kommen! Doch mit etwas Glück konnten wir eine Woche fischen. Als Mörrum-Neuling beeindruckte mich das drum herum so sehr, dass ich sofort Feuer gefangen hatte. Es war wirklich unglaublich, wie viele Lachse jenseits der 10kg Marke in diesen Fluss aufstiegen. Pool 4 war der Abschnitt, wo einem wirklich die Kinnlade herunterfällt, wenn die großen Ostseelachse im Minutentakt die Wasseroberfläche durchbrechen. Doch bald musste ich erkennen, dass es alles andere als einfach war, die Fische von unseren Fliegen zu überzeugen! Keiner von uns konnte in dieser Woche einen Biss verzeichnen…
Seither versuchten wir unser Glück jedes Jahr aufs Neue. Doch der große Erfolg ließ weiterhin auf sich warten! Bei unseren Besuchen waren die Bedingungen nie optimal, das Wasser war entweder zu niedrig oder zu warm oder gleich beides zusammen. So wurden wir bei jedem Besuch wieder daran erinnert, dass Lachsangeln zu gewissen Anteilen ein Glücksspiel bleibt. Je öfter wir jedoch an der Mörrum unsere Leinen aufs Wasser legten, desto besser lernten wir den Fluss bei unterschiedlichsten Bedingungen kennen. Und auch wenn man an der Mörrum nicht immer seinen Fisch fängt, lernt man hier doch zumindest das Fliegenfischen auf Lachs. Und damit meine ich nicht nur, dass man als Lachsangler lernen muss, Verzicht zu üben. Anders als an vielen skandinavischen Flüssen, muss man die Standplätze hier sehr genau anfischen, um die Lachse zu überzeugen. Das übt sicher besser als einfach seine Fliege über einen Pool zu werfen, drei Schritte zu machen um dann ersteres zu wiederholen!
Wie gesagt, hatte ich mich bereits bei meinem ersten Besuch an der Mörrum in diesen Fluss verliebt. Und der Gedanke irgendwann doch einmal einen dieser tollen Fische zu fangen ließ mich nicht los und somit auch jede Saison zurückkehren. Auch wenn es mir nicht immer leicht viel, betrachtet man die stetig sinkenden Fangzahlen (zumindest was die Blanklachse im Mai betrifft), aber das ist ein Thema, welches den Umfang dieses Artikels sprengen würde!
In dieser Saison konnte ich zur „besten Zeit“ im Mai nicht fahren. Der Umstand eine Saison auszusetzen gefiel mir überhaupt nicht! So entschied ich mich dann im Juni doch noch kurzer Hand für eine Kurzaudienz. Ich hatte die Bedingungen an der Mörrum den ganzen Mai hindurch genauestens verfolgt und es beruhigte schon ein wenig, dass die Fangzahlen im Vergleich zum letzten Jahr, nicht noch schlechter geworden sind! Was mir jedoch sorgen bereitete waren die Wasserbedingungen – wieder sehr niedrig und über 20°C bereits zu Anfang Juni…
Auf der Zugfahrt nach Mörrum (von Hamburg aus ca. sieben Stunden), bemerkte ich wie der Himmel sich zuzog, je weiter ich Richtung Süd-Schweden kam. Als mich Normann dann am Bahnhof abholte erzählte er, dass es den ganzen Tag über geregnet hatte. Sollten die Bedingungen also doch besser als erwartet sein? Wer die Mörrum kennt weiß jedoch, dass Regen in dieser Region Blekinges, den Wasserstand kaum beeinflusst. Der Fluss wird von mehreren großen Seen viele Kilometer stromauf gespeist, welche sich im Sommer schnell erwärmen. Und selbst wenn es dort oben regnet, heißt dies noch lange nicht, dass die Kraftwerke (allein auf den letzten 40km, 6 Stk.) auch alles Wasser hindurch lassen! Aber vielleicht sinkt die Temperatur ja zumindest etwas, dachte ich mir.
An meinem ersten Angeltag ließ ich es locker angehen. Der Fluss war über Nacht um 2m³ gestiegen und schien sich auch leicht abgekühlt zu haben. An diesem Tag ging ich fast den gesamten Fluss ab um meine Lieblingspools zu erkunden, verweilte hier und da mal und beobachtete den Fluss. In vielen Pools konnte ich gleich mehrere Fische ausmachen und einige erschienen mir auch recht aktiv! Ich finde es spannend die Fische zu beobachten und zu erkennen wie unterschiedlich sich die einzelnen Individuen in einem Pool verhalten können. Von vorsichtigem buckeln über spritzen, halb springend bis hin zu aggressiven Fluchten unter der Oberfläche, erlebte ich an diesem Tag eine tolle Vorstellung! Am Abend befischte ich dann den Pool 12 wo ich tagsüber einige Fische ausmachen konnte. Selten zuvor hatte ich hier so viele Fische gesehen wie an diesem Abend! Es hatten wohl einige Fische den leicht erhöhten Wasserstand zum Aufstieg genutzt. Trotzdem rechnete ich wohl selten weniger damit, was nun passieren sollte…
Als meine Fliege (eine Mini-Copperfield Tube, die ich im Sommer gerne fische – dazu aber später mehr) einen der großen Steine im Poolauslauf passierte, zog es mir plötzlich die Schlaufe aus den Fingern und ehe ich mich versah explodierte das Wasser an genau jener Stelle. Der folgende Drill war kurz und heftig, gefühlt dauerte er nicht länger als 10 min., in denen der Fisch viele Sprünge zeigte. Das Gefühl, welches ich empfand als Magnus (ein Mörrum Lokal) meinen fisch griff, kann ich kaum beschreiben… Vermutlich trifft es Respekt am ehesten, denn für mich stand vor der Landung bereits fest, mein Gegner sollte wieder schwimmen! Doch Magnus nahm mir meine Illusionen recht schnell, als er sagte der Fisch würde stark bluten. Ich hatte mir bis zu diesem Zeitpunkt keine Gedanken darüber gemacht, dass ein Drill bei über 20°C Wasser, dem Fisch nicht unbedingt gut tun würde, rechnete ich ja niemals damit, dass es wirklich passieren würde!
All die Jahre, die ich auf diesen Moment gewartet hatte schienen plötzlich nichtig zu sein! Ich hatte meinen Traum, einen Mörrum-Blanklachs zu fangen endlich erreicht. Bewusst darüber, wie einzigartig dieser Moment war, werde ich ihn wohl niemals vergessen!
So entspannt, wie die nächsten Tage habe ich wohl noch nie gefischt. Manchmal saß ich einfach nur am Pool und genoss mein Dasein als Lachsangler. Die meiste Zeit verbrachte ich aber vermutlich im lokalen Angelgeschäft „Fiskeshopen (All Fly) Mörrum“, wo dem Fliegenbinder wirklich das Herz aufgehen kann, und laberte dummes Zeug!
Ich halte es mit meinen Fliegen so, dass ich sie, wenn ich einen Fisch darauf gefangen habe, nicht mehr fische. So hat sich über die Jahre eine kleine Box mit „Rentnern“ gefüllt. Gleiches wollte ich natürlich auch mit meiner Mini-Copperfield tun, doch irgendetwas ließ mich nicht los und ich entschied mich am letzten Tag dazu, diese Fliege noch einmal anzuknüpfen. Was nun passierte kann man sich denken. Ich fing meinen zweiten Blanklachs fast an der gleichen Stelle, auf die selbe Fliege – unglaublich…!
An dieser Stelle möchte ich mich bei Thomas Mähler bedanken, der meinen Fisch nach einem langen, spektakulären Drill gekonnt landete!
Was bleibt mir an dieser Stelle noch zu sagen, als das ich natürlich auch in Zukunft zurückkehren werde, wohl wissend, dass solch ein Erlebnis wohl die Ausnahme bleiben wird!
Eine Bindeanleitung für die Mini-Copperfield gibt es HIER
In der Fliegenbox – Lachs finden sich weitere interessante Muster!
Tight Lines,
Kolja
- Normann in Pool 12 – Wasserstand unter 10m³
- Pool 27 – hier zeigt sich oft Fisch
- Ein Fisch durchbricht die Oberfläche