Für mich ging die Urlaubsvorbereitung erst vier Tage vor der Reise los. Abends rief Kolja mich an, Mawill hatte sich den Fuß gebrochen und so müsste er alleine nach Norwegen, es sei denn, er würde kurzfristig jemanden finden, der Mawills Platz einnehmen könnte. Natürlich würde Mawill kein Geld von demjenigen nehmen, der für ihn einspringt.
Das hörte sich doch perfekt an. Die Bedingungen an der Gaula stimmten und das Finanzielle war durch Mawills Großzügigkeit machbar… nur, während der Sommerferien, ganze 2 Wochen frei zu bekommen, war fast ein wenig größenwahnsinnig!
Falsch gedacht, am Samstagvormittag konnte ich Kolja dann bescheid geben, dass alles glatt gehen würde und wir uns, am Dienstag auf den Weg machen könnten.
Nach 19 Stunden und einer Durchschnittsgeschwindigkeit, die wir hier nicht erwähnen sollten, hatten wir die 1300 Kilometer hinter uns gebracht. Es war geplant, von Mittwoch bis Samstag auf dem Campingplatz zu verbringen und die dazugehörige Strecke zu befischen. Wir können diese Tage unter dem Thema „Einwerfen“ abhaken. Die Wetterbedingungen waren suboptimal. Während Kolja die meißte Zeit krankheitsgeschwächt im Zelt verbringen musste, tat sich bei mir, außer eines verpatzten „Pulls“ nicht viel.
Am Samstag dann der Umzug an die Beats, der im Voraus gebuchten Privatstrecke. Wir wussten, dass in unserer Woche nicht alle Ruten gebucht wurden. Wir hofften, unsere Rotation mit möglichst wenig anderen Fischern teilen zu müssen. Wovon wir nicht zu träumen wagten wurde wahr… wir hatten unsere Rotation für uns allein! Soll heißen wir konnten fischen wie wir wollten, schnell, langsam, stationär, wir konnten in der Mitte einsteigen, Rückwärts fischen oder ein aggressiven Fisch direkt anwerfen. Und wie sich später heraus stellte sollte genau diese Freiheit, unser Schlüssel zum Erfolg sein.
Am ersten Abend war es dann so weit. Wir befischten einen, bei Niedrigwasser eher unscheinbaren Pool. Er bestand aus einer recht schnellen Rausche, in der einige große Steine lagen. Als meine Fliege dann einen dieser Stein passierte, kam der Take… schlaufe los, Rute hoch und der Fisch war
sicher gehakt. In der harten Strömung ging der Fisch schnell einige Meter flussab, nach einigen Minuten und ein paar spektakulären Sprüngen, blieb er aber zweiter Sieger. Beim folgenden Fotoshooting, wurden meine Knie bei dem Gedanken an den Aufwand, den man in den ganzen Jahren für diesen einen Moment betrieben hat, schon etwas weich. Plötzlich hat sich alles bezahlt gemacht… der Lohn, 3,9 Kg blitzeblankes Silber- ein für mich perfekter, erster Lachs!
Der Whiskey schmeckte an diesem Abend recht gut, trotzdem schafften wir es am nächsten Morgen, früh aus den Federn. Der erste Beat brachte nichts ein, am Abend würden wir dann aber den wohl besten Pool der Strecke für uns haben. Dieser Pool fing im Oberlauf mit einer schnellen Rausche an, wurde im weiteren Verlauf dann breiter. Die Strömung verlief auf der gegenüberliegenden Seite, in diesem Teil floss das Wasser recht langsam über einige große Steine hinweg, ehe die Ströhmung am Auslauf wieder an fahrt zunahm… ein heißer Holdingpool!
Nach einer halben Stunde wurde deutlich, dass unser Stand hier durchaus nicht aussichtslos war, denn im Auslauf der Rausche zeigte sich fast im minutentackt Fisch. Kolja zählte allein beim ersten Durchgang, an die 15 Fische.
Und wieder war ich der Glückliche, der den Kontakt herstellte. Ein vorsichtiger Zug an der Runningline, Schlaufe auf, „Fisch on“! Nach 15 Minuten hatte ich meinen zweiten Fisch gelandet, wieder ein blanker Fisch, diesmal mit Meerläusen und einigen deutlichen Netzspuren. An dieser Stelle wurde uns deutlich, was die Netze in den norwegischen Fjorden, der Lachspopulation antun müssten! In Topkondition hätte dieser Fisch sicher 2-3 Kilo mehr auf die Waage gebracht. Trotz allem ein klasse Fisch!
Für mich nahm dieser Abend ein schnelles Ende, der Lachs hat die Fliege so tief inhaliert, dass ans Zurücksetzen nicht zu denken war. Mein Tageslimit war erfüllt. Mit einem Bier in der Hand, schaute ich von einem Stuhl zu, wie die Sonne langsam unterging und sich Kolja, Wurf für Wurf durch den Pool tastete. Es kam an so einem perfekten Tag, wie es kommen musste. Kolja fischte am Auslauf der oberen Rausche, das Wasser war hier sehr ruhig, so gingen seine Würfe quer rüber und die Fliege wurde, in kurzen Zügen eingestript. Ein Fisch zeigte sich direkt bei seiner Fliege, eine Sekunde später war diese fest. Ein feister Fisch von 3,8 Kilo hatte im letzten Tageslicht zugeschlagen. Schon nach dem zweiten Tag hatten wir beide unseren Fisch gefangen. Was für ein Start!
Von nun an an ließen wir es ruhiger angehen. Es regnete in den folgenden 2 Tagen, zeitweise recht heftig und die Gaula stieg von 30 auf 250 Kubik an.
Man spürte förmlich den Aufstieg frischer Lachse. Das angenehme Werfen mit dem Float/ Sink1 von Guideline machte Platz für die Sinkfischerei, mit Sink 1/2, Sink 3/4 oder dem Float/ Sink 3 und der Streamdip.
Am Dienstagabend fischten wir dann den unteren Teil eines Pools, dessen Erscheinung sich durch das neue Wasser, recht stark verändert hatte. Wir vermuteten die Fische auf unserer Seite, da die Strömung dort nicht so reißend war. Nach ein paar Durchgängen wurde Kolja die Schlaufe brachial aus der Hand gerissen. Der Fisch nahm sofort an die 50 Meter, um sein Heil in der Hauptströmung zu suchen. Nach einem spannenden Drill konnten wir den Fisch landen… 5,5 Kg, ebenfalls mit Meerläusen.
Nächster Tag, gleicher Pool: Bei einer dieser „gefühlten 500 Driften“, die man am Tag so fischt, wird mir die Schlaufe aus der Hand gerissen. Ich wollte die Rute hochnehmen, doch dazu kam es gar nicht erst, denn mein Gegner zog bereits heftig in die andere Richtung. Nach 40 Min hatte ich schon 3mal gedacht, dass dieser Lachs mit dem gröbsten durch ist! Er spielte seine Größe jedoch gekonnt aus, um mit Hilfe der Ströhmung immer wieder ein paar Meter zu nehmen. Bald konnte Kolja den Fisch greifen und an Land tragen. Ein Männchen, wie bis dato alle Fische, Blank mit 8,5 Kg. Es stand schon vorher fest, dass wir nächstes Jahr versuchen wollten, wieder an die Gaula zu fahren, spätestens jetzt war es Pflicht.
Die Fischerei der nächsten Tage blieb erfolgversprechend. Kolja bekam noch 2 Meerforellen und ich konnte noch ein Grils überreden einen kurzfristigen Landgang anzutreten.
Am Donnerstag fischten wir einen der besten Pools unserer strecke, als bei Kolja etwas großes einstieg. Der Fisch ließ sich kein Stück bremsen. Er ging erst stromauf, dann in einer ersten Flucht fast 100 Meter stromab. Die Bremse hatte richtig zu tun, aber der Gegner ließ sich kein Stück ausbremsen. Es blieb Kolja nichts anderes übrig, als ihm zu folgen. Nach ein paar Minuten stellte sich der Fisch in eine abgelegene, ruhige Rinne auf unserer Seite. Kolja machte nun mehr Druck. Er hatte den Fisch während des Drills gesehen, er war gefärbt und er vermutete, dass es sich um ein großes Weibchen handelte, welches ohnehin zurückgesetzt werden würde. So kam es auch. Mit ein wenig Glück und der Gewissheit 0,40er GigaFish dran zu Haben, dirigierte Kolja den Lachs gen Land und ich konnte ihn schließlich greifen. Das Weibchen hatte sicher 12 Kilo und wurde von Kolja, ohne umschweife sofort zurückgesetzt.
Am Freitag verlor ich noch einen Grils, was nach den anderen Fischen durchaus zu verkraften ist. Nach einer perfekten Woche Lachsfischen, an der Gaula im August, endete unser Aufenthalt schneller als gewollt. Samstags fischten wir nicht mehr da wir noch ca. 800 km nach Südnorwegen, an den Mandalselva vor uns hatten. Von hier würde ich am Sonntag meine Rückfahrt antreten, während Kolja noch 2 Wochen mit Mawill und den „Nössings“, unseren österreichischen Freunden, fischen würde.
Tight Lines,
Jöran
- 12kg Lachsdame – Das dieser tolle Fisch zurückgesetzt wird ist selbstverständlich
- Jöran mit seinem größten
- Jöran mit Lachs
- Frisch aufgestiegen
- Feister Fisch…
- Jöran mit seinem ersten Gaulalachs
- Regen kündigt sich an
- Umzug an die Privatstrecke
- Die ersten Tage auf dem Campingplatz